Reaktion auf Focus TV Beitrag vom 27.11.

Die Reportage "Papa aus der Samenbank", die am Dienstag den 27. November auf Sat. 1 lief war in meinen Augen so widersprüchlich, wie es der Titel schon erahnen ließ.
Ich habe gedacht, dass der Fokus auf Spenderkindern läge, die durch eine Samenspende aus Reproduktionskliniken entstanden sind und nicht, dass es ebenfalls um private Samenspenden gehen würde.

Private Samenspenden sind nicht mit jenen aus einer Klinik zu vergleichen. Es kam bei dieser Thematik zu viel die Vorstellung durch, dass beinahe alle privaten Samenspenden durch Geschlechtsverkehr abgewickelt würden, was nicht der Fall ist. Der ausgewählte private Samenspender war ein sehr negatives Beispiel und hat ein ebenso negatives Bild auf die Samenspende im Allgemeinen projeziert. Jegliche Informationen über AIDS oder sonstige Krankheiten fehlten. Die Bechermethode wurde lediglich bei den Samenbanken vorgestellt, jedoch wird diese auch bei lesbischen Paaren verwendet. Ich habe mich derweil auch gefragt, wieso die Frau, die durch private Samenspende ein Kind bekommen hat mit dem Spender Geschlechtsverkehr hatte, obwohl sie lesbisch war. Man sieht, dass schlecht recherchiert wurde und eine Fokussierung auf eins der beiden Thematiken sinnvoller gewesen wäre.

Hingegen war der Spender Frank von der Erlanger Samenbank ein Vorbild. Er ist YES-Spender und somit bereit, seine entstehenden Kinder kennenzulernen, wenn sie es wünschen. Ich fand ihn sympathisch, auch wenn es natürlich immer ein komisches Gefühl ist, mit einem Spender zu reden und seine Intention zu hören.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Erlanger Samenbank als innovativer und positiver dargestellt worden wäre und nicht privaten Samenspenden, sondern anderen Reproduktionskliniken entgegengestellt worden wären, welche bis heute eine ganzheitlich anonyme Methode befürworten. Vielleicht wäre dann meine Klage, die nur kurz angesprochen wurde, deutlicher und verständlicher gewesen. Denn der Zuschauer denkt jetzt, dass alle Spender von Samenbanken offen für die Spenderkinder wären. Eine verwirrende Darstellung.

Ich bin außerdem entsetzt über den Begriff "Papa" im Titel gewesen. Es hätte viel deutlicher rauskommen müssen, dass es eben darum nicht geht. Es geht lediglich um den Spender, den Menschen der die Hälfte von uns ausmacht. Eine Vaterfigur, die auch noch als "Papa" ironisch dargestellt wurde, war einfach fehl am Platz und zeigt wieder, dass die Thematik nicht vollends von den Journalisten hinterfragt oder dargestellt wurde. Mit dem Spender Frank habe ich eine ganze Weile geredet und es gab meiner Meinung nach sehr viele interessante Aussagen von uns, die man hätte verwenden können. Aber es wurde viel geschnitten und so gelegt, wie es zu dem Thema passte.

Im Großen und Ganzen ist es natürlich immer großartig, die Chance zu bekommen, öffentlich und zu guten Sendezeiten die Perspektive von Spenderkindern zu schildern und die Leute zum Nachdenken anzuregen. Dies hat meines Erachtens funktioniert – so oder so. Vielleicht ist es gerade die Sensationsgier, die das Thema polarisieren lässt. Aber, was bei allen Medien wichtig ist: Hinterfragen und Abwägen. Bei zwei Sätzen, die man von mir zeigte, saß ich auch mit offenem Mund vor dem Fernseher, weil es so aus dem Kontext gezogen wurde. Leider auch der letzte Satz, in dem ich zu Frank sage, er habe eine gute Einstellung. Diese Reaktion war nicht auf die vorangegangene Aussage von ihm bezogen, in der er sagt, er könne nicht genau wissen, ob er nicht doch väterliche Gefühle entwickeln könnte und andersherum.

Allgemein fand ich Frank super, weil er ganz klar sagt "JA, ich bin bereit dazu meine entstehende Kinder irgendwann mal kennenzulernen und werde nicht anonym bleiben". Aber genau dieser Satz hat den Journalisten auf seine Aussage wohl gut zu dem Konzept "Papa aus der Samenbank" gepasst, denn väterliche Gefühle kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich denke, dass das auch nicht möglich ist, weil der Spender nunmal ein fremder Mann ist und mein Vater/Papa mein Papa für mich ist, weil er eben schon immer diese Rolle in meinem Leben einnahm. Und das wird auch immer so bleiben. Schade, aber umgehen lässt sich das bei Medien leider nicht immer. Trotzdem danke an Fokus TV, dass dieses Thema behandelt wurde.
Sarah